ZWEIGSTELLE VERKAUFT MEHR ALS 100.000 TICKETS

Zweigstelle verkauft mehr als 100.000 Tickets

Ihr habt mit eurem ersten Kinofilm, „Zweigstelle“ von Julius Grimm, einen tollen Meilenstein erreicht: Mehr als 100.000 Tickets wurden seit Kinostart am 9. Oktober an den Kinokassen verkauft. Gratulation! War dieser Erfolgslauf abzusehen?

Simon Bogocz: Man muss tatsächlich beim Filmfest München anfangen, wo wir Weltpremiere feiern durften. Unsere erste Vorstellung war innerhalb von zweieinhalb Stunden ausverkauft. Das war das erste Zeichen, dass das Publikum offensichtlich Interesse an unserem Film hat. Na gut, jetzt war der Saal natürlich auch zur Hälfte mit Friends & Family gefüllt 😄. Auch die zweite Vorstellung war komplett ausverkauft, die dritte, die als Sondervorführung angesetzt wurde, nachdem wir den Publikumspreis gewonnen hatten, zu dreiviertel. Unsere erste „reguläre“ Vorführung folgte beim Open Air am Münchner Königsplatz. Es wurden dort an dem einen Tag 800 Tickets verkauft – und das auch noch bei Regenwetter! Hier konnten wir ein erstes Gefühl dafür bekommen, welches Potential der Film hat. 

Felix Mann: Weltkino ist bei „Zweigstelle“ als kleiner Debütfilm eingestiegen, meist geht man ja bei Debütfilmen davon aus, dass sie nur eine handvoll Zuschauer:innen erreichen, aber nach der Festivalzusage des Filmfest Münchens, wurde die Auswertungsstrategie immer größer.

Ben Ulrich: Das Ganze ist stetig gewachsen, sowohl die Erwartungen als auch das Engagement des Verleihs. Bis zwei, drei Wochen vor Kinostart. Das konnte man auch gut bei den Überlegungen zur Anzahl der Startkopien ablesen: Erst waren es 80, dann 100, dann 120 und am Ende ging es mit ca. 200 Kopien los. In der 2. Spielwoche kamen sogar noch weitere Kinos dazu. 

Felix Mann: Wir hatten vor dem offiziellen Kinostart schon sehr erfolgreiche Sneaks und Previews und insgesamt bereits 10.000 Zuschauer:innen vor Kinostart. Diese Vorab-Screenings waren immer gut besucht und es gab auch Vorführungen mit Q&A‘s, bei denen wir dabei waren und direkt das Feedback des Publikums abfragen konnten. Das war unfassbar gut und hat die Richtung angezeigt, wer unsere Hauptzielgruppe sein wird.

„Es war spannend zu verfolgen, wie der Film sich eingegroovt hat.“

Ben Ulrich

Und ihr wart auch auf Kinotour…

Simon Bogocz: Die war wirklich besonders schön! Wir waren bei vielen Stationen selbst mit dabei. Das war eine ganz neue Erfahrung für uns und einfach überwältigend mitzuerleben, dass sich wildfremde Menschen Tickets für unseren Film kaufen und sich anschließend so begeistert darüber äußern. 

„Zweigstelle“ von Julius Grimm (Credit: Luis Zeno Kuhn, WennDann Film)

Wie hat er sich in den verschiedenen Kinos geschlagen, vom Multiplex über das Einsaal-Haus? 

Ben Ulrich: Es war spannend zu verfolgen, wie der Film sich eingegroovt hat. Das Mathäser der Kinopolis-Gruppe war eines der stärksten Häuser. Aber gleichzeitig lief er hervorragend in kleinen Häusern… über ganz Deutschland verteilt. Vom Multiplex bis zum kleinem Arthouse-Kino war tatsächlich alles dabei. Am Ende kann man nicht sagen, wo er richtiger gewesen wäre. Die Kinoübergreifende Crossover-Strategie war genau richtig!

„Zweigstelle“ hat durchaus auch eine „bayerische Färbung“. War der Kinoeinsatz deshalb auf Bayern fokussiert?

Simon Bogocz: Am Anfang war ein Großteil der Kopien in Bayern im Einsatz. Aber je länger der Film lief, desto mehr schwappte er auch in die nördlicheren Bundesländer – der gute Lauf in Bayern war wie ein Gütesiegel und machte viele Kinos außerhalb Bayerns neugierig. Es gibt immer wieder Kinos aus nördlicheren Regionen, die den Film jetzt erst beginnen zu spielen. Hamburg und Berlin sind als Einsatzorte sehr stark, in Berlin wurden wir sogar in der U-Bahn promotet. Es freut uns sehr, dass unsere Zweigstelle nicht nur in Bayern relevant ist.

Felix Mann: Den zweiten Publikumspreis haben wir in Leipzig auf der Filmkunstmesse gewonnen. Das hat uns sehr gefreut. Der Film hat zwar eine bayerische Zuordnung, aber so klar bayrisch ist er eben nicht.

Ben Ulrich: Zuletzt waren die stärksten Kinos in Niedersachsen. Wir haben mit dem Verleih eine WhatsApp-Gruppe, in der die tagesaktuellen Zahlen kommuniziert werden. Und hin und wieder gibt es verrückte Nachrichten, wenn etwa ein Kino auf Platz eins gerutscht ist, weil am Vorabend eine große Ministrant:innengruppe alle Tickets auf einen Schlag gekauft hat. 

Simon Bogocz: Mein Favorit war ein Screening in einem der Kinos der Cineplex-Gruppe, das zum Frühstückskino am Donnerstag-Vormittag einen großen Saal ausverkauft hat. Das hat uns immer wieder überwältigt, zu sehen, wie unser Film in den verschiedenen Eventreihen angenommen wurde, bis hin zum „Stricken im Kino“. Auch schön zu sehen und für uns völlig neu war, wie viel Einfluss die einzelnen Kinobetreiber:innen auf den Erfolg des Films haben und wie unterschiedlich doch alle Kinos sind. Wir haben definitiv Kinoluft geschnuppert und wollen weitermachen.

„Mit Weltkino haben wir von Anfang an zusammen an der Auswertung gearbeitet.“

Simon Bogocz

Wie habt ihr die Zusammenarbeit mit Weltkino erlebt?

Simon Bogocz: Wir wollten hier mit Verleiher-Produktions-Klischees brechen und haben von Anfang an mit Weltkino zusammen an der Auswertung gearbeitet. Wir hatten bereits vor Drehbeginn Marketingmeetings, in denen wir besprochen haben, wie wir Bilder schon während des Drehs ablichten können, wie unser Artwork aussehen könnte und was für Social-Media-Content erstellt werden soll. Es war wirklich gemeinschaftlich, auf Augenhöhe.

Felix Mann: Wir haben die Auswertung immer mitgedacht. Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys als Band beispielsweise: Wenn man die im Film sieht, die sich quasi selbst spielen, ist das sehr lustig und wird sicher mehrere 1000 Fans in die Kinos gelockt haben. Die Band, die wirklich große Hallen füllt, hat auf ihren Konzerten auch immer Werbung für unseren Film gemacht… Zudem lieben wir alle ihre Songs und sie haben inhaltlich perfekt in den Film gepasst. Der Verleih hat uns sehr an die Hand genommen, aber uns auch viel machen lassen und unsere Ideen immer gern umgesetzt. Wir wollten zum Beispiel als Werbemittel Bierdeckel bedrucken, weil wir wussten, dass ein Teil unseres Publikums gerne in Wirtshäuser geht. Also hat uns Weltkino diese anfertigen lassen und uns geschickt. 

Simon Bogocz: Für eine Woche durften wir fünf Freunde und „Zweigstelle“-Crew-Mitglieder bezahlen, die mit uns gemeinsam in München und Umgebung Promomaterial verteilt haben. Wir hatten 13.000 Flyer, 2000 Bierdeckel und 3000 Plakate… Wir wollten, dass der Film gesehen wird – dafür haben wir alles gegeben. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Verleih sich ebenso ins Zeug legt. Niemand wusste, ob der Film im Kino wirklich funktioniert und wir hatten zudem noch nie einen Kinofilm produziert. Dass Weltkino uns so früh das Commitment gegeben hat, dem Film einen richtigen Kinostart zu geben, war mutig.

Da ist auch Musik drin: „Zweigstelle“ von Julius Grimm (Credit: WennDann Film/Luis Zeno Kuhn)

Ihr seid nur eurem Firmencredo treu geblieben: Wenn, dann richtig! Wenn ihr das Jahr mit Blick auf eure 2022 gegründete WennDann Film GmbH Revue passieren lasst: seid ihr rundum zufrieden? 

Felix Mann: Komplett. Die heiße Phase mit „Zweigstelle“ ging für uns vor genau einem Jahr los, besonders dann ab Januar 2025 … Der vierwöchige Dreh folgte Anfang Februar. In der Postproduktion haben wir einen unglaublichen Speed hingelegt, damit wir in der Lage waren, beim Filmfest München einzureichen. Es ging alles rasend schnell und durchgehend ist was passiert. Wir mussten uns intern aufteilen, weil wir während der Zeit des Filmfest München den Drehstart unseres zweiten Langfilms hatten. Das war wirklich wahnsinnig aufregend. Als Student in der Filmhochschule findet alles in einem eher kleineren Rahmen statt. Mit „Zweigstelle“ war plötzlich alles anders. Wir haben so viel positives Feedback von Menschen aus ganz Deutschland bekommen, sogar noch per Postkarte!

Ben Ulrich: Unser zweiter Film heißt übrigens „Ich verstehe Ihren Unmut“ und ist das Spielfilmdebüt von Kilian Armando Friedrich, das wir mit dem ZDF/Kleines Fernsehspiel produziert haben. Zwei Projekte fast back-to-back zu produzieren und zu drehen war sehr intensiv. Und bei all dem Stress dürfen wir nicht vergessen, dass wir parallel neue Projekte entwickeln wollen und müssen. 

Felix Mann: Mit Julius Grimm entwickeln wir bereits ein neues Projekt. Die Zusammenarbeit bei „Zweigstelle“ war einfach eine so tolle Erfahrung – von Anfang bis Ende. Zwischen Kreativen und Produzenten muss es unserer Meinung nach matchen. Das ist bei uns und Julius gegeben – wir sind ein Match!  

„Eine ordentliche Frustrationstoleranz ist auf jeden Fall wichtig.“

Felix Mann

Ihr seid auf dem Radar der Branche aufgetaucht…

Simon Bogocz: Auf jeden Fall. Dafür war der Aufschlag auf dem Filmfest München enorm wichtig. Dort waren wir mit unserem Film einfach auch sehr laut. Außerdem trifft sich dort die Branche, man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch. Dass sich der Zuspruch auch auf die regulären Kinozuschauer:innen übertragen hat, freut uns enorm. „Zweigstelle“ passt zu uns, weil bei uns nicht nur das Ergebnis, sondern auch das Miteinander zählt. Wir sind absolute Teamplayer, lieben es, gemeinsam im Team ein Projekt aus eigener Kraft zu stemmen. Auf der anderen Seite mögen wir Filme, die ernste Themen mit einem Entertainment-Anspruch verbinden. Das ist bei „Zweigstelle“ der Fall. Und in der Richtung soll‘s weitergehen. 

Ihr habt alle an der HFF München studiert und dort gutes Rüstzeug mitgekriegt. Dennoch ist es sicher eine Herausforderung, sich als junge Firma zu etablieren. Hattet ihr auch Hürden zu überwinden und gibt es Dinge, die nicht so gut laufen in der Branche?

Simon Bogocz: Man geht erst mal nur von Hürden aus, gerade im Debütbereich. Wir haben den Spirit zu sagen: egal, wir machen das trotzdem und schaffen das auch. So sind wir an „Zweigstelle“ rangegangen. Natürlich wurden uns viele Steine in den Weg gelegt, aber am Ende haben wir den Film trotzdem gemacht und wurden eher von Dingen positiv überrascht, die geklappt haben. 

Felix Mann: Ehrlich gesagt, gibt es sehr viele Hürden. Ich bin so froh, dass wir zu Dritt sind. Ist einer von uns niedergeschlagen, können ihn die anderen beiden aufbauen. Eine ordentliche Frustrationstoleranz ist auf jeden Fall wichtig. Das wissen alle jungen Menschen, die sich in den Filmbereich begeben. Umso wichtiger ist auch die Eigenschaft, die wir uns in den vier Jahren erarbeitet haben, einen gewissen Grundoptimismus zu bewahren, und einfach immer weiterzumachen. 

Ben Ulrich: Optimismus auf der einen Seite, Realismus auf der anderen. Es tat sehr gut, dass wir uns bei „Zweigstelle“ beweisen konnten und gleichzeitig gelernt haben, wie unfassbar schwierig es ist, Menschen ins Kino zu bekommen. Wir sind immer noch in einer Phase des Aufbaus, aber mit „Zweigstelle“ definitiv einen Schritt weitergekommen und selbstsicherer geworden. Die Anfangsängste sind weniger!

„Zweigstelle“ hat die Messlatte hoch gelegt für weitere Kinoprojekte, wenngleich WennDann Film nicht nur für Kino steht…

Simon Bogocz: Uns interessiert Bewegtbild, in welchen Formen auch immer. Wir haben dieses Jahr auch noch eine Hochkant-Miniserie gedreht und machen weiterhin Branded Entertainment. Das eine belebt das andere und es ist auch mal schön, einen Drehtag mit einer völlig neuen Branche zu erleben, in eine andere Welt einzutauchen und nach zwei Wochen durch zu sein. Wir wollen uns für kein Format verschließen.

Felix Mann: Aber unser Herz schlägt fürs Kino. Kino ist nur ein unfassbar schwieriger Weg… In anderen Medienbereichen erzielt man schneller Erfolge. Kino ist die Königsdisziplin. Dass wir mit „Zweigstelle“ auf Anhieb reüssieren konnten, ist der Hammer. Wir sehen das Projekt, das für sämtliche Head of Departments das Debütprojekt war, auch als Beweis für die Filmbranche: Man kann auf den Nachwuchs setzen! 


Das Gespräch führte Barbara Schuster

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